Prof. Robert Wammack, Chefarzt der Klinik für Urologie und Neurourologie der Kath. Kliniken Essen-Nord-West im Marienhospital Altenessen, hat eine Niere im Marienhospital Altenessen transplantiert. Bei einer 50-jährigen Patientin wurde ein großer zentraler Tumor in der Niere diagnostiziert, der eine organerhaltende Operation auf normalem Wege nicht mehr zuließ. Da die Patientin bereits vor Jahren ihre andere Niere aufgrund einer bösartigen Geschwulst verloren hatte, drohte ihr bei einer radikalen Entfernung des erkrankten Organs die Dialyse für den Rest ihres Lebens.
Es gab jedoch eine Alternative: Die Entnahme der erkrankten Niere, ihre Behandlung außerhalb des Körpers, die anschließende Replantation des tumorfreien Organs in den Bereich der Leiste und seinen Anschluss an die Blutversorgung der Beckenstrombahn. So erwies es sich als Glücksfall, dass Prof. Wammack im Jahr 1995 die Operationsmethode durch Prof. Novick, einer Kapazität auf dem Gebiet der organerhaltenden Nierentumorchirurgie, an der Universitätsklinik Cleaveland (USA) erlernte. Zudem konnte Wammack auf seine langjährigen Erfahrungen für den Verantwortungsbereich „Nierentransplantationen und Multiorganentnahmen“ an der Universitätsklinik Mainz zurückgreifen, um diesen ungewöhnlichen Eingriff mit sicherer Hand durchzuführen. Prof. Robert Wammack: „Nach der Durchtrennung der Nierengefäße und der Organentnahme spült man die roten Blutkörperchen mit einer speziellen Perfusionslösung aus der Niere und kühlt das Organ auf 4°C herunter, damit es während der Behandlung außerhalb des Körpers keinen Schaden nimmt. Bei weiterhin andauernder Zirkulation der Perfusionslösung kann dann der Tumor entfernt und die Niere im Rahmen einer mikrochirugischen Behandlung rekonstruiert werden.“ Grundsätzlich sei es bei dieser Operationstechnik auch möglich, zurückgebliebene Krebszellen mit deutlich höheren Strahlendosen als im Körper zu behandeln. Das gleiche gelte für stark toxisch wirkende Medikamente, die man innerhalb des Körpers ohne größere Nebenwirkungen kaum anwenden könnte.
Ohne Frage, der technische und organisatorische Aufwand ist sehr hoch. Immerhin sind gleichzeitig zwei komplette OP-Teams im Einsatz. Doch das Ergebnis rechtfertigt den hohen Aufwand in jedem Fall. So zeigt sich Prof. Robert Wammack von dieser innovativen Methode, die im englischen Sprachraum auch mit dem Begriff „workbench surgery“ beschrieben wird, überzeugt: „Die replantierte Niere funktioniert einwandfrei, alle Nierenwerte sind normal, so dass die Lebensqualität der betroffenen Patientin im Vergleich zur lebenslangen Dialyse ungleich höher ist.“
Ein Blick zurück in die Vergangenheit zeigt, welch großartige Entwicklung die Transplantationsmedizin in den zurückliegenden Jahrzehnten genommen hat. Die erste erfolgreiche Nierenverpflanzung wurde erstmals 1956 durchgeführt. In Deutschland wurden im Jahr 1971 die ersten Nierentransplantationen vorgenommen. Seitdem finden jedes Jahr mehrere hundert erfolgreiche Nierenübertragungen statt. Diese Erfolge haben der allgemeinen Organverpflanzung den Weg geebnet. Dabei ist es jedoch nicht geblieben: Die Technik der Nierentransplantation ist heute so ausgereift, dass man nicht nur das Problem der vom Kreislauf abgeschnittenen Niere gelöst hat, sondern auch einen neuen Zweig der urologischen Transplantationsmedizin, die so genannte „Extrakorporale Chirurgie“, etablieren konnte. Prof. Wammack und sein Team betrachten die Einführung dieser modernen Operationsmethode als ganz wichtigen Baustein ihres vielfältigen Behandlungsspektrums. So spricht Prof. Robert Wammack von einem „Quantensprung“ bei der organ- und funktionserhaltenden Therapie schwer zugänglicher Nierenkrebsgeschwülste – eine Tatsache, die bei einem chronischen Mangel an Spenderorganen kaum hoch genug eingeschätzt werden kan
06.12.07 |




