Die Klinik für Urologie und Neurourologie am Marienhospital Altenessen setzt ein neues Verfahren zur schonenden Behandlung bösartiger Prostatatumoren ein. Das neue Behandlungsverfahren nutzt die Wirkung energiereicher Ultraschallwellen, um Prostatatumore ohne Operation oder Strahlentherapie von außen zu beseitigen. Hierbei werden Ultraschallwellen, die 10.000-fach energiereicher als diagnostische Ultraschallwellen eines Sonographiegerätes sind, mithilfe komplexer akustischer Linsen millimetergenau innerhalb der Prostata appliziert. Trifft der Ultraschall auf das erkrankte Gewebe wird der energiereiche Strahl in Hitze umgewandelt und zerstört den Krebs während umliegendes, gesundes Gewebe geschont wird.
Chefarzt Prof. Robert Wammack: „Das Verfahren des hochintensiven fokussierten Ultraschalls (HIFU) kann eine wirkliche Alternative zur vollständigen Entfernung der Prostata sein und bietet sich insbesondere für Patienten an, bei denen eine Operation riskant wäre, oder für diejenigen, die eine Operation oder Bestrahlung ablehnen. Sehr gut eignet sich die HIFU-Therapie auch bei erneutem Auftreten von Prostatakrebs (Rezidiv) nach radikaler Operation oder Strahlentherapie. Zudem ist die Therapie die Behandlungsmöglichkeit mit den geringsten Risiken und kann auch im Bedarfsfall wiederholt werden. Alle weiteren Therapieformen, wie Radikaloperation, Bestrahlung oder Hormonbehandlung bleiben weiterhin möglich. Dies zeigen Langzeitergebnisse nach weltweit über 18.000 durchgeführten HIFU-Behandlungen.“
Im Gegensatz zu anderen Krebserkrankungen zeigt das Prostatakarzinom sehr unterschiedliche Ausprägungen und biologische Eigenschaften. Nicht immer ist der Krebs aggressiv. In vielen Fällen wird er nur zufällig beim älteren Mann entdeckt. Daher bedarf Prostatakrebs nicht immer einer „aggressiven Behandlung“, wie einer Radikaloperation oder einer Strahlentherapie.
Die Klinik für Urologie und Neurourologie der Kath. Klinken Essen-Nord-West erweitert mit HIFU ihre Möglichkeiten zur Therapie von Prostatakrebs mit einem zukunftsweisenden, schonenden Behandlungsverfahren.
„Die Wahl des optimalen Behandlungsverfahrens ist eine hoch individuelle Entscheidung, die in jedem Einzelfall gemeinsam mit dem Patienten in Abwägung aller Vor- und Nachteile getroffen werden müsse. Oberstes Gebot sei hierbei die Effektivität und Sicherheit der Behandlung sowie die Erhaltung der Lebensqualität des Betroffenen“, so Prof. Robert Wammack weiter.
Während der Behandlung wird eine Ultraschallsonde in den Enddarm eingeführt. Diese Sonde liefert dem Urologen die Informationen, die er zur Planung des Eingriffs benötigt. Anschließend wird mit derselben Sonde die eigentliche Behandlung durchgeführt. Die HIFU Technologie (hochintensiv fokussierter Ultraschall) nutzt gebündelte Ultraschallwellen, die über eine Art Hohlspiegel auf einen Punkt konzentriert werden, um thermische Energie zu bündeln. Die Wirkungsweise ähnelt der eines Vergrößerungsglases, mit dem Sonnenstrahlen gebündelt werden, um ein Loch in ein Blatt Papier zu brennen. Am millimeterfeinen Brennpunkt, dem Tumor, entstehen Temperaturen von rund 90 Grad Celsius. Diese Temperatur reicht aus, um das Gewebe im Körper punktgenau zu verbrennen. Mit einer Genauigkeit von weniger als einem Millimeter Abweichung wird eine große Anzahl von Ultraschallauslösungen durchgeführt. Die HIFU-Behandlung findet unter Teilnarkose statt und dauert zwischen einer und drei Stunden. Aufgrund der minimalen Belastung der von außen angewandten Therapie genügt meist ein Krankenhausaufenthalt von zwei bis vier Tagen.
In einer kürzlich veröffentlichten europäischen Multicenterstudie konnte gezeigt werden, dass Blutungen oder starke Harninkontinenz bei weniger als ein Prozent der Patienten vorkamen. Ein Potenzverlust bei der Behandlung beider Prostatalappen liegt bei rund 50 Prozent, bei der Behandlung einseitiger Tumoren bestehen sehr gute Chancen zur Beibehaltung der Potenz.
Auch für Versicherte der gesetzlichen Krankenkassen wird HIFU an der Urologischen Klinik der KKENW ohne jede Zuzahlung durch die Patienten durchgeführt – alle entstehenden Kosten sind durch die Leistungen sowohl der gesetzlichen als auch der privaten Krankenkassen gedeckt.
HIFU kann eingesetzt werden:
- bei lokalem und lokal fortgeschrittenem Karzinom, wenn die radikale Operation aus medizinischen Gründen oder auf Wunsch des Patienten ausgeschlossen wird.
- wenn trotz Behandlung Operation, Bestrahlung, Hormonbehandlung erneut ein Tumor auftritt.
- wenn sich während der Behandlung einer gutartigen Prostatavergrößerung herausstellt, dass zusätzlich eine Krebserkrankung vorliegt.
- zur lokalen Zerstörung von Krebszellen in der Prostata, die nicht mehr auf die Hormonbehandlung ansprechen.
- bei Unverträglichkeit oder Nebenwirkungen der Hormonbehandlung
Die Vorteile der HIFU-Therapie:
- Hohe Wirksamkeit, durch Langzeitstudien belegt
- Erhöhte Lebensqualität durch geringe Nebenwirkungen
- Kurzer Krankenhausaufenthalt
- Keine Schnitte, keine Implantate, keine Strahlenbelastung
- Keine therapeutische Sackgasse
- Schnelle Erfolgskontrolle
- Kosten von allen gesetzlichen Krankenkassen übernommen




