Ein schleichender Prozess, der mehr und mehr an Brisanz gewinnt! Die Rede ist vom demographischen Wandel, der sich zunehmend in fast allen gesellschaftlichen Bereichen bemerkbar macht. Nachwuchsprobleme gehören zu den unangenehmen Folgen dieser Entwicklung. Verlässliche Studien prognostizieren schon in wenigen Jahren einen deutlich spürbaren Fachkräftemangel mit erheblichen Auswirkungen auf die wirtschaftliche und soziale Zukunft unseres Landes.
Auch das Gesundheitswesen bleibt von dieser Entwicklung nicht verschont. Die Krankenhäuser werden sich dem schärfer werdenden Wettbewerb um qualifizierte Nachwuchskräfte stellen müssen, aber auch die niedergelassene Ärzteschaft wird schon bald mit ernsthaften Nachwuchsproblemen konfrontiert sein. Schon jetzt ist erkennbar, dass vor allem der Hausärztemangel zum Problem wird. Die älteren Allgemeinmediziner, die in den kommenden Jahren in den Ruhestand eintreten, können nur teilweise ersetzt werden. Im Verbandsgebiet der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein müssten jährlich 100 Nachwuchsärzte in die Fußstapfen ihrer pensionierten Kollegen treten. Tatsächlich sind es aber nur 50, so dass die Schere zwischen Angebot und Nachfrage immer weiter auseinander geht.
Damit die hausärztliche Versorgung nicht auf der Strecke bleibt, haben die Ärztekammer Nordrhein, die niedergelassene Ärzteschaft im Essener Norden und die Katholischen Kliniken Essen-Nord-West in diesen Tagen den Weiterbildungsverbund Essen-Nord als Teilverbund des Weiterbildungsverbundes Ruhr ins Leben gerufen.
Das Konzept des Weiterbildungsverbundes sieht die systematische Förderung junger Assistenzärzte vor, die sich ganz bewusst für die Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin entscheiden und nach ihrer fachärztlichen Weiterbildung im Krankenhaus eine der frei werdenden hausärztlichen Praxen übernehmen. Die Vorteile des Weiterbildungsverbundes liegen auf der Hand: Die Katholischen Kliniken Essen-Nord-West können aufgrund ihres breiten Behandlungsspektrums die komplette stationäre Weiterbildung im Bereich der Inneren Medizin und Allgemeinmedizin abdecken. Die ambulante allgemeinmedizinische Weiterbildung kann in den angeschlossenen Mitgliedspraxen absolviert werden. Der angehende Hausarzt bekommt einen strukturierten Weiterbildungsplan an die Hand und kann sich vollkommen auf die Inhalte seiner Weiterbildung konzentrieren, ohne zwischenzeitlich den Arbeitgeber oder Wohnort wechseln zu müssen. Dabei erhält er über ein Mentorensystem die breite Unterstützung seiner erfahrenen Kollegen aus dem Krankenhaus und aus der Hausarztpraxis. Versüßt wird die qualifizierte fachärztliche Weiterbildung durch ein Förderprogramm, das jedem Teilnehmer des Weiterbildungsverbundes insgesamt 3.500 EUR (niedergelassener Bereich) gewährt und somit das Tarifgehalt ein wenig aufbessert. Weitere Zuschüsse sind in Gebieten mit einer nachgewiesenen Unterversorgung möglich. Dr. Robert Schäfer, Ärztlicher Geschäftsführer der Ärztekammer Nordrhein: „Das sind wirklich attraktive Rahmenbedingungen, besser könnten Sie kaum sein. Die Absolventen erarbeiten sich hervorragende Berufsperspektiven und sehr gute Startbedingungen für eine freiberufliche Existenz in der hausärztlichen Versorgung.“ Im Grunde schlage man zwei Fliegen mit einer Klappe. Zum einen werde durch das attraktive Weiterbildungsangebot die hausärztliche Versorgung stabilisiert und zum anderen könne auch die stationäre Versorgung im Krankenhaus gesichert werden, so Schäfer weiter.




KKENW
News-Archiv
Weiterbildungsverbund Essen-Nord gegründet

Freuen sich bei der feierlichen Urkundenverleihung durch die Ärztekammer Nordrhein über die künftige Zusammenarbeit im neuen Weiterbildungsverbund Essen-Nord: v. l., Monika Halbach, Personalleiterin der Katholischen Kliniken Essen-Nord-West, Karl-Dieter Menzel, Leiter der Weiterbildung der Ärztekammer Nordrhein, Dr. Rainer Jacksch, Chefarzt der Klinik für Kardiologie im St. Vincenz Krankenhaus, Prof. Hans-Georg Krengel, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am Marienhospital, Manfred Sunderhaus, Geschäftsführer der Katholischen Kliniken Essen-Nord-West, Dr. Robert Schäfer, Geschäftsführender Arzt der Ärztekammer Nordrhein, Dr. Wolfgang Huppertz, Gemeinschaftspraxis Dr. Hupperts, Dr. Römer und Dr. Wrubel in Altenessen, Dr. Hans-Jörg Drewes, niedergelassener Diabetologe |